Warum Geburtstage, Weihnachten, Urlaub und andere besondere Tage kein Grund für ein schlechtes Gewissen sein sollten – und was unsere Kinder im Alltag wirklich von uns brauchen.

Geburtstagstorte, Weihnachtsplätzchen, ein Eis im Sommerurlaub oder eine große Tüte Süßigkeiten nach Halloween.

Es gibt diese besonderen Tage im Jahr, auf die sich unsere Kinder schon Wochen vorher freuen. Tage, an denen der Alltag Pause macht, an denen gefeiert, gelacht und vielleicht auch ein bisschen mehr genascht wird als sonst.

Und dann gibt es da uns Erwachsene. 😬

Wir machen uns Gedanken darüber, ob das nicht alles ein bisschen zu viel ist. Ob das fünfte Plätzchen wirklich noch sein muss. Ob es im Urlaub jeden Tag ein Eis braucht. Oder ob nach der Geburtstagstorte nicht wenigstens auf den Nachtisch verzichtet werden sollte.

Ich selber kenne all diese Gedanken nur zu gut. Schließlich wollen wir als Eltern, dass unsere Kinder gesund aufwachsen.

Aber manchmal frage ich mich, ob wir dabei nicht etwas Entscheidendes aus den Augen verlieren.

Warum beschäftigen uns die wenigen besonderen Tage im Jahr manchmal so sehr, während wir den ganz normalen Alltag viel weniger hinterfragen?

Und warum werden solche Fragen gerade bei kräftigeren Kindern oft noch ein bisschen lauter?

Die besonderen Tage gehören zum Leben

Wenn wir einmal überlegen, welche Tage im Jahr anders ablaufen als gewöhnlich, kommt einiges zusammen.

Da ist der Geburtstag mit der Lieblingstorte. Weihnachten mit Plätzchen, Lebkuchen und einem besonders leckeren Festessen. Ostern mit Schokoladeneiern. Halloween mit einer Tüte voller gesammelter Süßigkeiten. Der Sommerurlaub, in dem ein Eis am Nachmittag für viele Familien einfach dazugehört. Oder das Familienfest, bei dem Oma ihren berühmten Kuchen gebacken hat.

Natürlich sind es nicht in jeder Familie exakt 15 Tage. Mal sind es mehr, mal weniger. Die Zahl steht für einen Gedanken, nicht für eine genaue Rechnung.

Aber eines haben all diese Gelegenheiten gemeinsam: Sie sind etwas Besonderes.

Sie gehören zu unserer Kindheit, zu unseren Familien und zu den Erinnerungen, die wir ein Leben lang mit uns tragen.

Und ich finde, wir dürfen unseren Kindern und auch uns diese Momente auch einfach gönnen.

Nicht jeder besondere Tag muss zu einer Diskussion über Ernährung werden.

Was ist eigentlich mit den anderen 350 Tagen?

Natürlich ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Daran gibt es für mich überhaupt nichts zu diskutieren.

Aber langfristige Gewohnheiten entstehen nicht nur an Weihnachten oder beim Kindergeburtstag.

Sie entwickeln sich vor allem in unserem ganz normalen Familienalltag.

Beim Frühstück vor der Schule. Beim gemeinsamen Abendessen. Bei der Frage, was wir einkaufen, wie wir unsere Mahlzeiten gestalten und welchen Stellenwert Essen in unserem Familienleben hat. Und auch dabei, wie selbstverständlich Bewegung zu unserem Alltag gehört – nicht als Pflichtprogramm zum Kalorienverbrennen, sondern weil sie Spaß macht und uns guttut.

Es sind die vielen kleinen Gewohnheiten, die sich über Wochen, Monate und Jahre entwickeln.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger Energie darauf verwenden, jeden besonderen Tag ernährungstechnisch so gut wie möglich einzuschränken und stattdessen überlegen, wie wir unseren Kindern im Alltag einen guten, entspannten und liebevollen Umgang mit Ernährung und ihrem Körper vorleben können.

Denn Gesundheit entsteht nicht durch Perfektion an einzelnen Tagen. Und sie lässt sich auch nicht allein am Körpergewicht ablesen.

Unsere Kinder hören genauer hin, als wir manchmal denken

Ein Punkt wird bei diesem Thema meiner Meinung nach häufig unterschätzt.

Es geht nicht nur darum, was unsere Kinder essen. Es geht auch darum, wie wir über Essen sprechen. Vielleicht kennst du solche Sätze:

„Eigentlich dürfte ich das gar nicht essen.“

„Heute habe ich aber wirklich gesündigt.“

„Nach dem Wochenende muss ich unbedingt wieder aufpassen.“

Oder: „Jetzt muss ich morgen aber eine extra Runde Sport machen.“

Solche Bemerkungen rutschen uns Erwachsenen oft ganz selbstverständlich heraus.

Und natürlich müssen wir nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Aber unsere Kinder hören zu.

Sie beobachten, wie wir mit unserem eigenen Körper umgehen. Wie wir vor dem Spiegel über uns sprechen. Ob wir uns nach einem Stück Kuchen schlecht fühlen oder Essen einfach auch genießen können.

Und daraus entwickeln sie nach und nach ihre eigenen Vorstellungen. Vielleicht lernen sie, dass bestimmte Lebensmittel etwas sind, für das man sich schämen muss. Dass man sich Süßigkeiten erst verdienen sollte. Oder dass Sport lediglich dazu dient, etwas wieder auszugleichen, das man gegessen hat.

Ich wünsche mir, dass unsere Mädchen etwas anderes lernen: Dass sie ihren Körper respektieren dürfen. Dass Essen kein moralischer Test ist. Und dass ihr Wert nicht von einer Zahl auf der Waage abhängt.

Süßigkeiten bei Kindern

Warum gerade kräftigere Mädchen oft unter besonderem Druck stehen

Es gibt einen Gedanken, der mir besonders am Herzen liegt. Stell dir zwei Mädchen auf einem Kindergeburtstag vor- beide lachen, beide haben Spaß und beide holen sich ein zweites Stück Kuchen.

Das eine Mädchen ist schlank.

Das andere ist etwas kräftiger.

Und jetzt stell dir vor, beim kräftigeren Mädchen sagt jemand:

„Na, meinst du nicht, dass du schon genug hattest?“

Während beim schlanken Mädchen niemand auch nur auf die Idee kommt, etwas zu sagen.

Genau solche Unterschiede meine ich.

Vielleicht sind die Kommentare nicht böse gemeint. Vielleicht macht sich jemand tatsächlich Sorgen um die Gesundheit des Kindes. Aber was kommt bei dem Mädchen an? Vielleicht nicht die Sorge um seine Gesundheit, sondern das Gefühl, dass es etwas falsch macht. Dass sein Körper nicht richtig ist oder dass es sich Dinge weniger erlauben darf als andere Kinder.

Und genau das finde ich problematisch.

Ein kräftigeres Mädchen sollte nicht weniger Unbeschwertheit erleben dürfen als ein schlankes.

Natürlich müssen Eltern auf eine ausgewogene Ernährung achten und ihren Kindern Orientierung geben.

Aber die Figur eines Kindes sollte nicht darüber entscheiden, ob es vor anderen zurechtgewiesen oder beim Essen kritisch beobachtet wird.

Unsere Mädchen werden ohnehin früh genug mit Vorstellungen darüber konfrontiert, wie sie aussehen sollten.

Sie vergleichen sich mit Freundinnen, sehen Bilder in sozialen Medien und merken sehr genau, wenn ihr Körper anders aussieht oder ihre Kleidung anders sitzt.

Da sollten wir Erwachsenen nicht diejenigen sein, die diesen Druck noch verstärken.

Und bitte versteh mich nicht falsch …

Ich möchte hier auf keinen Fall wie die perfekte Vorzeigemama klingen, die immer alles richtig gemacht hat und jetzt anderen erklären will, wie es geht.

Ganz im Gegenteil.

Ich kenne diese Gratwanderung selbst nur zu gut. Ich habe jahrelang damit gestruggelt, die richtige Balance zu finden. Auf der einen Seite möchte man als Mama, dass sich das eigene Kind gesund ernährt, sich ausreichend bewegt und sich gut entwickelt. Auf der anderen Seite möchte man auf keinen Fall, dass es sich wegen seines Körpers schlecht fühlt oder das Gefühl bekommt, ständig aufpassen zu müssen.

Und glaub mir, das ist alles andere als einfach.

Auch ich habe mir Gedanken gemacht, war unsicher, habe Dinge hinterfragt und bestimmt nicht immer die richtigen Worte gefunden. Manchmal weiß man einfach nicht, ob man gerade zu streng ist, zu locker oder ob man überhaupt etwas sagen sollte.

Und nein, die perfekte Lösung kann ich auch nicht aufzeigen, aber vielleicht einen Anreiz geben, deinen bisherigen Umgang einmal zu hinterfragen, weil ich weiß, wie schwierig es sein kann, als Mama zwischen Fürsorge und dem Wunsch nach einem unbeschwerten Aufwachsen die richtige Balance zu finden.

Vielleicht geht es auch gar nicht darum, immer alles richtig zu machen. Sondern darum, sich selbst und die eigenen Worte immer wieder zu hinterfragen – und dabei liebevoll mit unseren Kindern, aber auch mit uns selbst zu bleiben. 💜

Grenzen setzen, ohne zu beschämen – geht das?

Ja, natürlich!

Ein entspannter Umgang mit Essen bedeutet schließlich nicht, dass Kinder jederzeit unbegrenzt Süßigkeiten essen sollten.

Wir Eltern tragen Verantwortung. Und dazu gehört auch, einen verlässlichen Rahmen zu schaffen.

Aber zwischen liebevoller Orientierung und Beschämung liegt ein großer Unterschied.

Ein paar Beispiele:

  • Statt „Du hast heute wirklich schon genug gegessen!“ lieber gemeinsam überlegen, was es später noch gibt und wann die nächste Mahlzeit stattfindet.
  • Statt „Du musst auf deine Figur achten!“ den Fokus auf abwechslungsreiche Mahlzeiten und gute Alltagsgewohnheiten legen.
  • Statt „Das musst du dir erst verdienen!“ Süßigkeiten nicht als Belohnung für Leistung oder gutes Benehmen einsetzen.
  • Statt „Jetzt musst du dich aber bewegen!“ gemeinsame Aktivitäten finden, die Freude machen – ganz unabhängig davon, was vorher gegessen wurde.

Und ganz wichtig: Regeln sollten für alle Kinder in einer Familie nachvollziehbar und fair sein.

Nicht für das eine Kind streng und für das andere locker, nur weil sie unterschiedlich gebaut sind.

Denn kein Kind sollte beim Essen das Gefühl haben, ständig beobachtet oder bewertet zu werden.

Essen ist mehr als die Summe seiner Kalorien

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Erwachsenen vergessen, wie viel mehr Essen eigentlich bedeutet. Natürlich versorgt es unseren Körper mit Energie und Nährstoffen, aber es ist eben auch Genuss, Gemeinschaft und ein Stück Familiengeschichte.

- Der Duft von frisch gebackenen Plätzchen mit Oma

- Die Geburtstagstorte, die sich ein Kind schon Wochen vorher gewünscht hat

- Das gemeinsame Pizzaessen am Freitagabend

- Das Eis, das im Sommerurlaub schneller schmilzt, als man schlecken kann

Das alles sind kleine Erlebnisse, die unseren Alltag und unsere besonderen Tage bereichern.

Und ich finde, wir sollten unseren Kindern vermitteln, dass sie solche Momente genießen dürfen- ohne schlechtes Gewissen. Ohne das Gefühl, sich dafür rechtfertigen zu müssen oder es gar heimlich zu machen. Und ohne Angst vor Kommentaren über ihren Körper.

Ein zweites Stück Kuchen macht ein Kind nicht zu einem schlechteren Menschen. Genauso wenig wie ein Salat es zu einem besseren macht.

Lebensmittel haben unterschiedliche Eigenschaften und können unterschiedlich zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. Aber sie sagen nichts über den Wert eines Menschen aus.

Süßigkeiten bei Kindern

Was unsere Mädchen wirklich von uns brauchen

Vielleicht geht es bei diesem Thema um viel mehr als Ernährung.

Vielleicht geht es darum, welche Beziehung unsere Kinder zu sich selbst entwickeln- ob sie ihrem Körper vertrauen, ob sie ihre Bedürfnisse wahrnehmen können, ob sie sich mit ihren Freundinnen unbeschwert an einen Tisch setzen können und ob sie spüren, dass sie genauso geliebt und angenommen werden, wie sie sind.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir gesundheitliche Fragen ignorieren sollten.

Wenn wir uns Sorgen um die Entwicklung oder Gesundheit unseres Kindes machen, ist es sinnvoll, uns fachlichen Rat zu holen.

Aber solche Themen gehören in ein geschütztes, wertschätzendes Gespräch und gegebenenfalls in professionelle Hände.

Nicht als beiläufiger Kommentar beim Familienfest.

Nicht als kritischer Blick auf den Teller.

Und schon gar nicht vor Anderen.

Ein Kind sollte niemals das Gefühl bekommen, dass sein Körper erst anders werden muss, damit es dazugehören darf.

Welche Erinnerungen möchten wir unseren Kindern mitgeben?

Wenn wir an unsere eigene Kindheit zurückdenken, erinnern wir uns oft an ganz bestimmte Momente.

An Geburtstage, an Weihnachten, an Urlaube und an gemeinsame Erlebnisse mit unserer Familie.

Und natürlich gehört auch Essen zu manchen dieser Erinnerungen. 

Aber es geht dabei selten nur um das Essen selbst, sondern um das Gefühl, das damit verbunden war.

Um Vorfreude. Um Geborgenheit. Um gemeinsames Lachen.

Und genau solche Erinnerungen wünsche ich unseren Mädchen.

Dass sie später an ihren Geburtstag denken und sich daran erinnern, wie stolz sie auf ihre Torte waren.

Dass sie an Weihnachten zurückdenken und den Duft der Plätzchen fast wieder riechen können.

Dass sie sich an den Sommerurlaub erinnern, an die Sonne, das Meer und das gemeinsam Erlebte.

Und nicht daran, dass jemand ihre Figur kommentiert hat.

Nicht daran, dass sie sich für ein zweites Stück Kuchen schämen mussten.

Und nicht daran, dass sie sich an einem eigentlich wunderschönen Tag plötzlich falsch gefühlt haben.

Die anderen 350 Tage sind unsere Chance

Wir können nicht jeden Einfluss kontrollieren, dem unsere Kinder ausgesetzt sind. Nicht jeden Kommentar auf dem Schulhof verhindern. Nicht jedes unrealistische Körperbild aus den sozialen Medien verbannen. Aber wir können beeinflussen, wie wir zu Hause miteinander umgehen. Wie wir über Körper sprechen. Wie wir mit Unterschieden umgehen. Und ob wir unseren Kindern vermitteln, dass sie unabhängig von ihrer Figur wertvoll sind. Das sind keine Entscheidungen, die wir nur an Weihnachten oder beim Kindergeburtstag treffen.

Das sind die vielen kleinen Entscheidungen unseres ganz normalen Alltags.

An einem Montagmorgen. Beim Abendessen am Mittwoch. Oder an einem völlig unspektakulären Sonntag.

Wir müssen dabei nicht alles perfekt machen.

Wir dürfen Fehler machen, unsere eigenen Gewohnheiten hinterfragen und gemeinsam mit unseren Kindern dazulernen.

Vielleicht sind genau diese 350 gewöhnlichen Tage unsere größte Chance, unseren Kindern etwas wirklich Wertvolles mitzugeben.

Nicht Perfektion, sondern einen liebevollen, entspannten und selbstverständlichen Umgang mit sich selbst.

Mein Wunsch für unsere Mädchen

Ich wünsche mir, dass unsere Mädchen ihre besonderen Tage gebührend genießen dürfen.

Dass sie sich auf Geburtstage freuen. Dass sie an Weihnachten mit Oma Plätzchen backen. Dass sie im Urlaub ein Eis essen können, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie das jetzt „dürfen“. Und dass sie nicht das Gefühl bekommen, wegen ihrer Figur weniger unbeschwert sein zu dürfen als andere Kinder.

Natürlich dürfen wir als Eltern Grenzen setzen. Natürlich dürfen wir auf gute Gewohnheiten achten.

Aber vielleicht sollten wir uns dabei immer wieder fragen, ob unsere Worte unseren Kindern wirklich helfen.

Oder ob sie möglicherweise etwas in ihnen auslösen, das wir gar nicht beabsichtigt haben. Denn am Ende geht es nicht darum, alles richtig zu machen. Es geht darum, unseren Mädchen ein Zuhause zu geben, in dem sie sich angenommen fühlen. Mit all ihren Stärken, Eigenheiten und Unterschieden. Und mit einem Körper, der nicht jeden Tag bewertet werden muss.

Nicht die 15 besonderen Tage zählen. Sondern das, was wir an den anderen 350 Tagen vorleben.

Viele liebe Grüße


Martina von Proud little cloud ☁💕

 

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